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Veröffentlicht am Freitag, 16. März 2012 10:57
Turbulente Abschlussrunde produziert haufenweise überraschende Ergebnisse
Die 83. Deutsche Schachmeisterschaft, ausgetragen in der Landessportschule von Sachsen-Anhalt in der Hansestadt Osterburg im Herzen der Altmark, ist Geschichte. Alle Schlachten sind geschlagen - was bleibt sind sehr viele kämpferische Partien, Normen für mehr als 10 % der Teilnehmer und hoffentlich viele schöne Erlebnisse. Was noch fehlt ist ein Abschlussbericht, eine Reminiszenz sozusagen.
Waren es vor der letzten Runde noch zwei, die punktgleich in den Kampf um den Titel gingen (mit den besseren Chancen für Khenkin aufgrund dessen besserer Feinwertung), blieb einer davon auf der Strecke. Titelverteidiger Igor Khenkin wurde von einer der Überraschungen des Turniers, Jens Kotainy, mit einer remisträchtigen Variante im Panov ausgebremst. Dieses Ergebnis spielte den Ball zum Setzlistenersten Daniel Fridman, der nun die Gewissheit hatte, mit einem Sieg neuer Deutscher Meister zu werden. Dazwischen lag „nur“ noch der Widerstand von Julian Jorczik, der nach über vier Stunden und 45 Zügen gebrochen wurde. Fridman hat sein Turnier dreigeteilt: 3 Remisen in den Runden 4-6 wurden von jeweils 3 Siegen eingerahmt. Diese harmonische Folge gereichte zum alleinigen Turniersieg mit 7,5 aus 9. Lässt sich der Zieleinlauf auf den ersten beiden Plätzen als durchaus erwartet bezeichnen, sind die nachfolgenden Plätze gegenüber der Startrangliste ziemlich durcheinandergewirbelt. Jens Kotainy, der noch als Nachwuchsspieler bezeichnet werden darf, allerdings „für einen Prinzen zu alt“, hätten vor dem Turnier wohl nur die kühnsten Optimisten auf dem Treppchen vermutet. Platz 3 nach Wertung und dank Schützenhilfe der Bretter 3 und 4. Die tatkräftige Unterstützung kam von Dennis Wagner sowie Evgeny Degtiarev. Dennis ist einer der Abräumer des Turniers gewesen (ich zähle in der vermuteten gewichteten Rangfolge auf): IM-Norm; 5. Platz; eine der neun Schönheitspartien, die sogar zur Partie des Turniers gekrönt wurde. Hatte Dennis seine Norm bereits dank seines elogewichtigen Schlussrundengegners Niclas Huschenbeth in der Tasche, „bedankte“ er sich, indem er Niclas in dessen Gewinnbestrebungen auskonterte und besiegte. Evgeny benötigte hingegen für seine dritte IM-Norm noch ein Remis gegen Sebastian Siebrecht. Alle Siebrecht´schen Gewinnambitionen wurden ausgetrocknet und die Norm unter Dach und Fach gebracht. Evgeny erzielte mit 2451 die niedrigstmögliche Performance für eine IM-Norm. Das kann man durchaus mit Minimalismus umschreiben. So messerscharf wie Evgeny die Norm erfüllte, so knapp ging es für Rasmus Svane mit einer Performance von 2449 daneben. Aber nicht nur ich bin mir sicher, dass die nächste Norm für Rasmus nicht mehr lange auf sich warten lässt. In den Normenreigen stimmten neben Kotainy, Wagner und Degtiarev auch die Prinzen Matthias Blübaum und Alexander Donchenko ein. Macht drei Prinzen und zwei dem Prinzenalter knapp entwachsener Nachwuchs- (Kotainy) sowie erweiterter Nachwuchsspieler (Degtiarev). Folgen wir der Zeitreihe und kommen zu Michael Becker. Michael beweist gerade, dass es nie zu spät ist, sich mit einem IM-Titel zu beschäftigen. Einer Norm zu Beginn der 90er Jahre folgte in diesem Turnier die zweite und auf die dritte muss er vermutlich nicht wieder 20 Jahre warten, wenn man seine aktuellen Zweitbundesligaergebnisse verfolgt. Also, alle dem Jugendalter mittlerweile entschlüpften, aber immer noch ambitionierten Spieler: frohlockt, denn es ist nie zu spät…!
Kommen wir nun zur Rubrik „Wissenswertes rund um das Turnier“ (Bitte mit einem Augenzwinkern lesen): Dem aufmerksamen Beobachter ist nicht entgangen, dass René Stern anscheinend nur schnell gewinnen kann. Mit fortgeschrittener Spieldauer wuchs die Wahrscheinlichkeit, dass er das Brett nicht als Sieger verlässt. Er musste allerdings, zu seinem Glück, nicht allzu oft über die volle Distanz gehen, so dass er mit 6 Punkten auf den geteilten dritten Platz in die Preisränge kam. Sein Erfolgsrezept in der Letztrundenpartie gegen Dr. Hauke Reddmann vermutete er wie folgt: Dr. Reddmann, der für die gesamte Partie weniger Zeit verbrauchte als sie Züge maß, wurde durch ein ca. halbstündiges Nachdenken von René an einem Zug (was wiederum länger dauerte, als der Reddmann´sche Zeitverbrauch insgesamt) derart aus dem Konzept gebracht, dass ein Einsteller folgte. Dem Einsteller wiederum folgte die sofortige Aufgabe. Nun zu zwei Spielern, die empfindlich benachteiligt wurden: Frank Amos hätte es gerne mit mehr Spielern aus den alten Bundesländern aufgenommen. Gegen diese scorte er mit 2 aus 3. Gegen die neuen Bundesländer hingegen gab´s nix Zählbares. Einen noch beeindruckenderen Score kann Jens Reipsch aufweisen: 4,5 aus 5 erzielte er mit Glückskuli vom Veranstalter, der jedem einen mit jeweiligem Namen eingravierten Kugelschreiber überreichte. Da Jens ersatzweise in den Runden 2-5 mit einem alternativen Stift schreiben musste, standen die 4,5 Punkte auch nach 9 Runden zu Buche. Verschwörungstheorien wurden laut. Sollte Daniel Fridman tatsächlich den 1. Platz durch Jens gefährdet gesehen und den Kuli erst wieder rausgerückt haben, nachdem Jens nicht mehr in Sichtweite war…? Nun zur Frage, ob Schach und Duathlon etwas gemein haben. Das Fernsehteam vom MDR zeigte in seinem Beitrag vor allem die Kontraste auf. Wer den Beitrag gesehen hat, erinnert sich z.B. an den freundlichen Duathleten, der zwar ebenfalls seinen Kopf braucht, den es aber „raus in die Natur“ zieht. Jedoch es gibt sie tatsächlich, die verwandtschaftlichen Beziehungen: Einer der Duathleten kam auf mich mit der Frage zu, ob ich eventuell seinen Vater kennen könnte. Da ich kein Kind der Altmark bin, gab ich mir insgeheim schlechte Chancen. Mein Erstaunen war groß, als er den Namen Hans-Ulrich Grünberg nannte. Und sein Erstaunen war nicht minder groß, als ich ihm die schachlichen Stationen seines meisterlichen Vaters aufzählte. Eine weitere witzige Episode, die allerdings beinahe nicht dergleichen geendet wäre, bot der Pokaldienstleister. Nachdem er die Zustellung der Pokale für den Mittwoch während der Meisterschaft terminierte, erhöhte er ab Mittwoch den Liefertermin Tag für Tag um jeweils einen weiteren. So auch am Samstag. Schließlich wurden sie persönlich von einem DHL-Lager (DHL kann allerdings nix dafür, der Sünder ist der Pokalhersteller. DHL versicherte, dass die Pokale definitiv am Montag nach der Meisterschaft eingetroffen wären. Da hätten sich dann die netten Damen der Landessportschule gegenseitig zum Deutschen Meister krönen können.) an der mecklenburgischen Seenplatte abgeholt. Ich erinnere mich noch lebhaft an die Fangfrage, ob ich denn „kurz“ Zeit hätte…
Nun bleibt mir nur, mich im Namen der Turnierleitung um Dr. Günter Reinemann (Präsident des Landesschachverbandes von Sachsen-Anhalt), Michael Zeuner (Geschäftsführer desselbigen), Pascal Pflaum (dem Mann hinter der Technik), meinem Schiedsrichterkollegen und Bundesturnierdirektor Ralph Alt bei allen Teilnehmern für die gebotene Fairness und das harmonische Miteinander zu bedanken! Auf ein Neues in Jahresfrist zur 84. Deutschen Meisterschaft in…?! Die letzten Eindrücke der 83. DEM lassen sich in den Bilderordnern zur Siegerehrung Revue passieren. Ich entschuldige mich bei den Spielern, die ich nur mit dem Rücken erwischt habe. Mich trifft keine Schuld – entweder ihr seid zu flink gewesen oder die Kamera (keine von ORWONet) zu langsam.
Daniel Wanzek
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Veröffentlicht am Samstag, 10. März 2012 17:04
Gerade eben ging das Turnier zu Ende. Die Siegerehrung steht noch aus, doch hier bereits die Highlights der neunten Runde! Auch heute und leider vorerst zum letzten malhat GM Sebastian Siebrecht die schönsten Momente ausgewählt.
In der heutigen Auswahl:
- Fridman - Jorzick
- Kotainy - Khenkin
- Reddmann - Stern
- Andre - Ohme
- Huschenbeth - Wagner
Weiterlesen: Highlight der letzten Runde
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Veröffentlicht am Samstag, 10. März 2012 16:55
Gerade kam die Endtabelle aus dem Turnierbüro.
Die Treppchenplätze gehen an:
- Daniel Fridman
- Igor Khenkin
- Jens Kotainy
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Veröffentlicht am Samstag, 10. März 2012 15:21
... ist das Rennen um Platz 1 und der Sieger steht fest!
In einer offenen Partie bezwang Daniel Fridman mit Weiß Julian Jorzick im Königsinder, nachdem Igor Khenkin am Spitzenbrett mit Schwarz im 24. Zug in ein Remis gegen Jens Kotainy einwilligen musste.
Deutscher Meister 2012 ist
Daniel Fridman

Herzlichen Glückwunsch!
Momentan laufen noch 2 Partien.
- Huschenbeth - Wagner
- Schütze - Dr. Köhler
Wir melden uns bald wieder...
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Veröffentlicht am Samstag, 10. März 2012 14:38
In Runde 7 begegneten sich Niclas Huschenbeth und Igor Khenkin am Spitzenbrett. In einer langen und interessanten Partie setzte sich letztendlich Igor Khenkin durch. Freundlicherweise hat Igor Khenkin die Partie für uns kommentiert.
Weiterlesen: Partie des Tages, die siebte
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Veröffentlicht am Samstag, 10. März 2012 12:51

Präsidium des DSB fiebert vor Ort mit & erste Ehrungen werden vollzogen
Noch genau eine Partie liegt zwischen Spielern und Zieleinlauf. Der Triumphbogen ist bereits aufgebaut, das DSB-Präsidium verstärkt die Zuschauerriege vor Ort.

Ein MDR-Redaktionsteam ist wie gewohnt ebenfalls dabei und wird heute Abend mitteldeutschlandweit in „Sport im Osten“ über den Ausgang dieser DEM berichten.

Erste Ehrungen wurden vorgenommen. So erhielt Alexander Donchenko von Bundesnachwuchstrainer Bernd Vökler zum sportlichen Ausgleich einen Fußball als Preis für die prinzeninterne höchste Performance. Für außergewöhnliche Leistungen am Schachbrett erhielten Dr. Hauke Reddmann („schönste Partien insgesamt“), Karsten Schulz („lange Peitsche“), Niclas Huschenbeth („Seeschlange“) sowie Michael Müller („Angriff auf die Seeschlange“) eine Problemschach-Sonderbroschüre, erstellt von Lutz-Dieter Gruber aus Apolda.

Soeben ist Brett 1 beendet, mit einem zumindest für mich nicht erwarteten Ergebnis. In einer ewig langen Theorievariante im Panov wiederholen beide die Züge. Dieses Abspiel besitzt bereits von Haus aus ein extrem hohes Remispotential. Somit keine GM-Norm für Jens Kotainy und zumindest noch eine 50 % - Chance auf den Titel „Deutscher Meister“ für Igor Khenkin. Jetzt hängt alles vom Nachbarbrett mit Daniel Fridman versus Julian Jorczik ab. Niklas Huschenbeth ist mit dem Remis am Spitzenbrett bereits aus dem Rennen genommen worden. In Degtiarev-Siebrecht, Blübaum-Donchenko und Becker-Svane wird weiterhin um die IM-Norm gefightet.
Bleiben Sie weiterhin neugierig! Wir sind es auch.
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Schirmherr
Minister für Inneres und Sport des Landes Sachsen-Anhalt
Herr Holger Stahlknecht
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